Evangelische Kirche

Bis zur Einführung der Reformation in Benningen trug unsere Kirche den Namen St. Anna. Seitdem war sie "namenlos" und wurde im allgemeinen als "Evangelische Kirche Benningen" bezeichnet. Im Zuge der Renovierung und Neugestaltung des Innenraums kehrte man zu dem alten Namen zurück und verwendet nun wieder Anna-Kirche.

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Pfarrhaus und Annakirche

Taufstein Annakirche

Kirchenrenovierungen - eine endlose Geschichte?

Jeder Hausbesitzer kennt es: Schon wenige Jahre nach der Fertigstellung eines Gebäudes beginnt es mit kleineren Schäden. Die Schäden werdengrößer, technische Einrichtungen wie Heizungen versagen oder sind nicht zeitgemäß und irgendwann wird es dann richtig teuer.Für Kirchen gilt hier nichts anderes. Meist prägen sie schon über Jahrhunderte das Ortsbild und auch an ihnen nagt ständig der Zahn der Zeit.Um sie funktionsfähig zu erhalten besitzen große Kirchen, wie das Ulmer Münster, meist eine eigene Bauhütte und Baugerüste umkreisen sie Jahraus Jahrein. Ein drastisches Beispiel für den finanziellen Aufwand ist mir von einer englischen Kathedrale in Erinnerung geblieben. Auf einer Tafel überdem Opferstock wurde vorgerechnet, was die Unterhaltung des Gebäudes in jeder Minute kostet: Es war ein ansehnlicher Betrag. Abschließend wurde nüchtern gebeten, seine Spende an der Besuchszeit zu orientieren.

Selbstverständlich erreichen die Unterhaltungskosten für unsere Annakirche keine solchen Dimensionen. Allerdings haben die Kosten für die in den letzten Jahrzehnten notwendig gewordenen Substanzerhaltungsmaßnahmen  – zuletzt am Kirchendach –  dazu geführt, dass die dringende Innenrenovierung immer wieder verschoben werden musste. Dieser unbefriedigende Zustand geht jetzt wohl zu Ende. Ein geraffter Überblick über frühere Renovierungs- und Neugestaltungsmaßnahmen wird uns zeigen, was unsere Vorgänger alles getan haben um ihre Kirche zu unterhalten, zu verschönen und an neue Bedürfnisse anzupassen. Gleichzeitig kann er uns einstimmen auf das, was wir in den nächsten Jahren selbst erleben und mitgestalten können.

Ein Beitrag von Hans Dieter Taxis

  • add TEIL 1: Das Innere der Kirche

    Der Innenraum unserer Kirche hat sich in seinen Dimensionen seit dem Baudes spätgotischen Langhauses um 1527 praktisch nicht geändert; er wurde jedoch vielfach umgestaltet. Ursache waren meist Änderungen der gottesdienstlichen Bedürfnisse oder ein Wandel der ästhetischen Auffassungen. Leider sind die Kirchbücher von Benningen im 30jährigen Krieg und nochmals bei einem Franzoseneinfall 1693 zerstört worden. Aber auch für die folgende Zeit sind die vorhandenen Unterlagen teilweise nicht sehr aussagekräftig, so dass die Baugeschichte unserer Kirche viele Lücken und Unsicherheiten aufweist.

    Die 2014 abgeschlossene Dachsanierung hat hier zum ursprünglichen Zustand sehr interessante neue Erkenntnisse gebracht. Danach hat das Langhaus eine Sichtbalkendecke erhalten: Die Deckendielen sind gleichzeitig die Bodenbretter des darüberliegenden Dachraums. Die Zwischenräume der quer laufenden Deckenträgerbalken an den beiden Längsseiten wurden ausgemauert und verputzt (Deckbalkengefache). Die Ausschmückung ist typisch für das 16. Jh.: DieBalken sind ockergelb gefasst. Auf den kalkweiß gestrichenen Ausmauerungen und den Deckendielen (hier nur bei jedem 2. Balkenzwischenraum) wurden neben begleitenden Linien stilisierte Blumen, Blätter, Früchte und Fantasieornamente aufgemalt. Einen guten Eindruck der optischen Wirkung vermittelt die zeichnerische Rekonstruktion des Restaurators Holger Krusch.

    Mit Sicherheit hat die Einführung der Reformation in Benningen zu einer deutlichen Umgestaltung der Annakirche geführt. Nachgewiesen sind nebendem Hauptaltar weitereAltäre für Maria und die Heilige Ursula. Für Veränderungen kommt ein größerer Zeitabschnittinfrage. 1534 hat „Schultheiß, Gericht und Gemeinde zu Binningen“ bei Herzog Ulrich die Bestellung eines Pfarrersbeantragt der „das Wort Gottes lauter und reinverkündige“. Um 1540 ist Hans Krapff als evangelischer Pfarrer in Benningen nachgewiesen. In diesem Jahr hat auch Herzog Ulrich eine Entscheidung in der stark umkämpften Bilderfrage getroffen; danach sollten Altäre und Heiligenbilder aus den Kirchen entfernt werden. Diese Entscheidung ist aber nicht überall mit voller Härte umgesetzt worden. Einen Dämpfer erhielten solche Bestrebungen dann durch den sogenannten Schmalkaldischen Krieg und das folgende Interim, dessen Wirkung erst 1555 endete. Mit ihm wollte Kaiser Karl V die alten Verhältnisse wiederherstellen; in Benningen führte es dazu, dass Pfarrer Konrad Geer 1548 entlassen wurde.

    Eine schlichtere Gestaltung der Kirche ist tatsächlich nachweisbar, jedoch nicht ihr Zeitpunkt. Dabei wurden die ockergelben Deckbalken und die Bemalung der Deckbalkengefache sorgfältig weiß getüncht. Ausgenommen von dieser Veränderung sind nur die 4 ersten Balken auf der Ostseite und die nur noch auf der Südseite erhaltenen 3 Deckbalkengefache. Wenn man nicht von einer gewollten Zweifarbigkeit ausgeht lässt sich dieser Befund nur dadurch erklären, dass in diesem Bereich vor dem Chorbogen schon zu diesem Zeitpunkt die sichtbare Decke auf die Unterseite der Deckbalken verlegt wurde, wie dies später für das ganze Schiff erfolgte. Dieser Absenkung verdanken wir es nebenbei, dass sich die Überreste derursprünglichen Decke in dem dadurch geschaffenen Hohlraum überhaupterhalten haben.

    Der mit der Reformation in Württemberg eingeführte Predigtgottesdienst und steigende Einwohnerzahlen erforderten ein größeres Sitzplatzangebot. Gelöst wurde es wie vielerorts auch in Benningen durch den Einbau von Emporen; in diesem Zusammenhang entstand der Treppenturm neben dem Kirchturm. Der 1967 zugemauerte Zugang zur Südempore ist noch heute sichtbar. Treppenturm und Sakristei sind übrigens die einzigen späteren Anbauten an unsere Kirche. Genaue Zeitangaben zum Bauzeitpunkt sind nicht möglich.

    Ein Wandel im Geschmack führt zu den nächsten fassbaren Veränderungen im Innenraum; die nach der Reformation getünchten Wände werden wieder bemalt, die Kirchen ausgeschmückt. In Benningen haben sich verschiedene Beispiele dieser Entwicklung erhalten. Die beiden Apostel auf der Südseitestammen wohl aus dem späten 16.Jh.und könnten Reste eines Apostelzyklus sein. Das Himmlische Jerusalem auf der Südseite das zur Erinnerung an den Benninger Pfarrer Johann Jakob Kies(1643-1681) gestiftet wurde hat wohl 1685 der Reutlinger Maler Johann Christoph Hermann gefertigt, der auch die Wandbilder in der Bissinger Kilianskirche geschaffen hat.

    In vielen evangelischen Kirchen sind um die Wende des 16/17. Jh. die Brüstungen der Emporen mit Bildern geschmückt worden. Dabei wurde meist die Heilsgeschichte durch Szenen aus dem Leben Christi und ausgewählte Ereignisse aus dem Alten Testament dargestellt. Baugeschichtlich interessant ist, dass die Benninger Bilder aufgrund der Lebensdaten der Stifter um 1700 entstanden sind. Es ist anzunehmen, dass in diesem Zusammenhang größere Veränderungen – Emporebauten?,Verschönerungen? stattgefunden haben. Ob dabei ein Bezug zu der Zahl 1738 besteht, die sich über der Sakristeitür befindet ist völlig ungeklärt.

    Klarheit über das Aussehen unseres Kirchenraums bekommen wir erst für die Zeit nach 1864. In diesem Jahr endete eine große Umgestaltung die das Gesicht der Kirche bis 1967 weitgehend bestimmt hat. Große Emporen beherrschen den Raum und die Decke zeigt keine Balken mehr. Leider ist es bisher nicht gelungen in den Akten nähere Angaben über die vorgenommenen Änderungen zu finden; insbesondere ist unklar, ob die Decke bei dieser Gelegenheit oder schon im 18. Jh. geändert wurde. Allgemein wird angenommen, dass bei dieser Gelegenheit die an denEmporen angebrachten Bilder, weil nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprechend, entfernt und als Bauholz verwendet wurden.

    Der uns heute geläufige Zustand ist 1967 entstanden. Die Seitenemporen wurde beseitigt und durch eine größere Querempore ersetzt. Der Chor war erst 1922 als Gedenkstätte für die Gefallenen des ersten Weltkriegsaufwendig ausgemalt worden. Nun wurden die Gedenktafeln für die Gefallenen beider Weltkriege auf dem Friedhof vereinigt und der Chor völlig neu gestaltet. Vor allem aber beherrscht jetzt Professor YelinsDeckengemälde: Das Himmlische Jerusalem den Kirchenraum.

    Nun steht uns erneut eine Neugestaltung des Innenraums bevor. Wir können gespannt sein, welche Ideen und Lösungsvorschläge in nächsterZeit zur Diskussion stehen.

    Autor: Hans Dieter Taxis

  • add Details zu den Emporenbrüstungsbilder der Annakirche

    Das Pfingsterlebnis; Apostelgeschichte 2, 1-13

    Nach der Reformation sind aus den Kirchen meist alle Altäre, Bilder, u.ä. entfernt worden. Ein wieder erwachendes Schmuckbedürfnis führte erneut zu Wandgemälden, wie sie sich auch in Benningen erhalten haben; als Gestaltungsfläche wurden aber auch gerne die Brüstungen der Emporen verwendet. In vielen evangelischen Kirchen sind so um die Wende des 16/17 Jahrhunderts Emporenbrüstungsbilder entstanden. Dabei wurde meist die Heilsgeschichte durch Szenen aus dem Leben Christi (insbesondere der Passion) und ausgewählten Ereignissen des Alten Testaments dargestellt.

    In Benningen sind sicher nicht mehr alle Bilder vorhanden. So konnte z.B. die nur in Bruchstücken erhaltene "eherne Schlange" (4 Mose 21, 4-9) nicht restauriert werden. Die grundlegende Bildfolge blieb jedoch erhalten, wie ein Vergleich mit gut erhaltenen Beispielen in Beihingen oder Walddorf zeigt.

    Die Benninger Bilder sind alle nach einem einheitlichen Schema aufgebaut. Über einem rundbogigen Renaissancerahmen befindet sich ein rechteckiges Feld für den Namen des Stifters; diese konnten leider nur in wenigen Fällen restauriert werden.

    Diese Emporenbrüstungsbilder sind dazu ein gutes Beispiel für Stifterbereitschaft und Engagement in Vergangenheit und Gegenwart. Aufgrund der Lebensdaten der Stifter ist anzunehmen, dass sie um 1700 entstanden sind. Leider wurden sie beim Umbau der Kirche 1860 entfernt. Dass sie heute wieder die Kirche schmücken verdanken wir vor allem drei Männern. Pfarrer Hagen entdeckte zwei Bilder auf der Kirchenbühne und die restlichen als Schalbretter im Turmaufgang. Eine Veröffentlichung von Markus Otto veranlasste Senator Richard Hirschmann, die Restauration der Bilder zu finanzieren

    >> DOWNLOAD PDF: Ausführliche Erlauterungen zu den Emporebrüstungsbildern von Hans Dieter Taxis (Stand: April 2020)

  • add Galerie aller Emporenbrüsungsbilder & ihre Botschaft

DOWNLOAD

Geschichte

Das Kircheninnere bis zur Renovierung 1967

Geschichte der Ev. Kirche in Kürze (pdf)
Geschichte Benningens in Kürze (pdf)

Eine ausführliche Darstellung finden Sie in Benningen am Neckar 779 - 1979 Geschichte der Gemeinde (hg. v. der Gemeindeverwaltung anlässlich der 1200-Jahr-Feier Juni 1979)
S. 44 - 46 Kirchl. Verhältnisse bis zur Einführung der Reformation
S. 53 - 54 Kirchturm-Reparatur 1765

Benningen trotzt den Franzosen
S. 117 - 136 Kirche im 16. bis 20. Jahrundert