Weltgebetstag 2018: Gottes Schöpfung ist sehr gut!

Der Weltgebetstag 2018 kommt aus Surinam. Es ist das kleineste Land Südamerikas, knapp halb so groß wie Deutschland, und liegt zwischen Guyana und Frz. Guyana, im Süden grenzt es an Brasilien und gehört großenteils zum Amazonasgürtel.
Es könnte alles so schön sein in Surinam, traumhaft schön! Doch die Natur ist in Gefahr, und von einem guten Leben können die allermeisten Menschen nur träumen.

Surinam ist bunt! Bunt in vielerlei Hinsicht: botanisch, ethnisch, religiös. Surinam hat reiche Resourcen an Gold und Bauxit. Die Erde war einst fruchtbar, Teile des Regenwaldes sind gerodet und durch jahrhundertelange Plantagenwirtschafft, v.a. von Zuckerrohr, ausgelaugt.

Surinam ist heute ein kulturelles Patchwork: Menschen aus vier verschiedenen Erdteilen leben friedlich zusammen! Dies ist eine beachtenswerte Besonderheit dieses kleinen Landes. Die Menschen sind stolz auf diese Vielfalt und nennen sich gern auch Moksi, was so viel heißt wie gemischt, vermengt, auch gemeinsam.

Wie viele andere südamerikanische Länder erlebten die Menschen eine lange und in großen Teilen leidvolle Kolonialgeschichte. Bevor die Europäer im 16. Jahrhundert das Land eroberten, war dieses Gebiet von fünf verschiedenen Indianerstämmen bevölkert. Sie wurden von den Eroberern zur Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen gezwungen. Viele sind ins Landesinnere geflohen und lebten dort in Dorfgemeinschaften. Heute stellen sie nur einen kleinen Anteil an der Gesamtbevölkerung. Um ihre Plantagen weiter bewirtschaften zu können, kauften die Europäer, v.a. Engländer und Holländer, verschleppte Afrikaner, die als Sklaven im personenintensiven Anbau von Zuckerrohr, Kaffee, Kakao und Tabak arbeiteten mussten. Juden waren im 17. Jahrhundert vor den Progromen in Portugal und Spanien nach Südamerika geflohen und konnten sich dort niederlassen. Als die Sklaverei 1873 und Folgejahren abgeschafft wurde, fehlten billige Arbeitskräfte. Sie wurden aus dem vorderen Orient, von Indien, Java und China geholt. Alle brachten ihre Sprache, ihre Kultur mit. Heute werden 20 Sprachen gesprochen, niederländisch ist die Amtssprache.

Politisch gab es viele Wirren im 20. Jahrhundert. Ein ehemaliger Putschist, Dési Bouterse, mitverantwortlich für die Morde an 15 Intellektuellen im Jahr 1982, ist 2010 zum Präsidenten gewählt worden, wurde abgewählt und ist mit nicht durchsichtigen Mitteln erneut an der Macht.

„Der Export von Gold, Öl und (bis 2015 noch) Bauxit ist Surinams wirtschaftlicher Motor und macht 85 % der Exporterlöse aus. Der Preis ist hoch.“ heißt es weiter in der oben genannten Quelle. Beim Goldabbau werden große Mengen an Quecksilber freigesetzt, es vergiftet das Trinkwasser oder entweicht über die Luft. Der Regen wäscht das Gift wieder in die Böden ein. Der katholische Bischof Choennie setzt sich dort mutig auseinander mit den Regierenden, für die Erhaltung der Natur.

Beim Weltgebetstag erinnern die Frauen von Surinam an Gottes gute Schöpfung und wählen den 1. Schöpfungsbericht als zentralen Text. Dieser „Lobgesang“ will uns neu die Augen öffnen für die Schönheit der Erde und zur Achtung vor dem Geschaffenen aufrufen: „Gottes Schöpfung ist sehr gut!“ Dies ist im Weltgebetsflyer in wunderbare Worte gefasst:

Gott sah alles, was geschaffen war, und sah: es war sehr gut!

Gott schaut – und die Erde lebt aus Gottes Blick.
Gott sieht – Gott sieht auch dich.

Gott sieht dich als Teil seiner Schöpfung.
Du bist geschaffen nach Gottes Bild.

Alles, was ist, gehört zusammen, du gehörst zu dieser Erde, zu ihrer strahlenden Schönheit, zu ihrer reichen Vielfalt, auch zu ihren Wunden:zum Schmerz der verwüsteten Hügel, der abgeholzten Wälder, des vergifteten Wassers.

Die Erde lebt aus Gottes Atem.
Atme auch du mit den Rhythmen und dem Lebenspuls der Erde.

 

 

Kirchengemeinderat